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Fachbeitrag "Mit Factoring Liquidität sichern und Risiken minimieren"

Neuss, 17.09.2008

Jahrzehnte lang war die Wortverbindung „Mittelstand und Finanzierung“ nicht auffällig in der politischen, schon gar nicht in der gesamtöffentlichen Diskussion vertreten. Der Mittelständler hatte seine Hausbank, eine Verbindung, die eben kein nüchtern geschäftliches, sondern ein menschlich vertrauliches war.

Dies hat sich inzwischen gewandelt. Lange Zeit dominierten Ausfallrisiken wegen hoher Insolvenzzahlen. Bescheidene Margen im Firmenkredit, Strukturveränderungen im Bankenmarkt und die Vorgaben von Basel II veränderten das Szenario nachhaltig. Die Baseler Regeln fordern die Banken auf, ihr Kreditportfolio im Sinne der Bonität ihrer Kreditnehmer zu bewerten und entsprechendes (teueres) Eigenkapital zu hinterlegen. So sind sie gezwungen, ihre Kreditengagements kritisch zu prüfen und risikoadäquat zu selektieren.

Hinzu kommt ein Dauerthema der Mittelstandsfinanzierung – die Eigenkapitalmisere. Noch immer hat nur ein knappes Viertel der Betriebe eine solide Eigenkapitaldecke, fast ein Drittel – in absoluten Zahlen: eine Million wirtschaftsaktive Unternehmen – ist unterkapitalisiert, hat also eine Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent der Bilanzsumme. Damit gelang es den Mittelständlern nicht einmal im vergangenen Jahr, als sämtliche Umsatz- und Ertragsrekorde gebrochen wurden, ausreichend Eigenkapital zu thesaurieren.

Eine niedrige Eigenkapitalquote bedeutet ein erhöhtes Insolvenzrisiko, da dem Unternehmen in konjunkturell schwächeren oder auftragsarmen Zeiten der notwendige finanzielle Puffer fehlt, um die Schwächephase auszugleichen. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist eine unzureichende Unternehmensfinanzierung Insolvenzursache Nummer eins.

Ausweg Factoring

Um diesem Dilemma zu entgehen, ziehen immer mehr Unternehmen das Factoring als alternative Finanzierungsquelle in Betracht. Seit Jahren wächst die Branche rasant. So hat sich das Factoring-Volumen der im Deutschen Factoring-Verband vertretenen Institute in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt – auf 83,5 Milliarden Euro im Jahr 2007. Die kleinen und mittleren Factoring-Unternehmen – darunter auch einige Gesellschaften der Creditreform Tochter Crefo Factoring –, die im Bundesverband Factoring für den Mittelstand zusammengeschlossen sind, erreichten 2007 ein Factoring-Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro (Vorjahr: 1,7 Mrd. Euro). Die Institute beider Verbände betreuen inzwischen knapp 6.500 Unternehmenskunden.

Factoring ist der regelmäßige wiederkehrende Kauf von Forderungen aus Warenlieferungen und Dienstleistungen gegen sofortige Zahlung des Kaufpreises. Dabei verkauft ein Unternehmen offene Forderungen an eine Factoring-Gesellschaft, die das Ausfallrisiko in voller Höhe übernimmt. 80 bis 90 Prozent der angekauften Rechnungssumme werden abzüglich der Factoring-Gebühren nach der Übergabe der Rechnungen an den Kunden überwiesen. Die restlichen 10 bis 20 Prozent hält der Factor zunächst aus Sicherheitsgründen zurück. Sie werden an den Kunden gezahlt, wenn der Debitor die Rechnungssumme an den Factor überwiesen hat.

Zahlt er nicht innerhalb von 150 Tagen, erhält der Kunde die Restzahlung trotzdem; der Factor macht in dieser Situation seinerseits einen Versicherungsfall geltend. Im Rahmen des Full-Service-Factorings übernimmt der Factor zusätzlich die gesamte Debitorenbuchhaltung sowie die Aufgaben des Forderungsmanagements inklusive des Mahnwesens, des Inkassos und der gerichtlichen Durchsetzung der Forderungen. Dies wirkt sich auch positiv auf die Kosten für die Debitorenverwaltung aus. Durch das Outsourcing des Forderungsmanagements an den Factor erfolgt in aller Regel eine Professionalisierung, die Kosten werden transparent, bleiben (in Relation zur Factoringsumme) konstant und werden damit kalkulierbarer.

Neben einem 100-prozentigen Schutz vor Forderungsausfällen bietet das Factoring  eine kontinuierliche professionelle Risikoeinschätzung der Unternehmenskunden. Die zusätzliche Liquidität, die den Unternehmen durch den Verkauf offener Forderungen zufließt, können gerade junge Unternehmen in dynamischen Wachstumsprozessen gezielt nutzen.

Somit eröffnet Factoring neue Gestaltungsmöglichkeiten abseits der Fremdfinanzierung, beispielsweise in Form von Zahlung unter Skontoausnutzung oder zur Einräumung längerer Zahlungsziele. Ein weiterer positiver Nebeneffekt entsteht dadurch, dass sich mit dem Verkauf des Forderungsbestandes die Bilanzsumme deutlich reduziert und eine ebenfalls stark verbesserte Eigenkapitalquote ausgewiesen werden kann. Dadurch erhöht sich die Eigenkapitalquote, die eigene die Bonität und nicht zuletzt die Marktreputation verbessern sich.

Controlling-Ansätze beim Factoring

Aus der Zusammenarbeit mit einem Factor können für den Mittelständler zudem wichtige Ansätze für das Controlling resultieren. Denn im Rahmen der Factoring-Abwicklung erlangt der Factor auch Kenntnis von einer Vielzahl betriebswirtschaftlicher und qualitätsrelevanter Daten des Unternehmens, beispielsweise zur Qualität der Kundenstruktur, zum Vertrags- und Qualitätswesen der kaufmännischen Abwicklung, zum Rechnungswesen, zu Planungsdaten, Umsatzverlauf und Margenkultur des Umsatzes sowie zur persönlichen Kompetenz der Unternehmensführung.

Die Auswertung dieser Daten versetzt den Factor in die Lage, dem mittelständischen Unternehmen Controlling-Ansätze und wesentliche Anregungen zu notwendigen Strukturanpassungen anzubieten. Als quasi ausgelagerte kaufmännische Abteilung kann der Factor dem Unternehmen auch als Synergie seiner Arbeit Nutzen im Sinne der Möglichkeiten eines Controlling-Systems bringen.


Herausgeber: Verband der Vereine Creditreform e.V. (Michael Bretz)

 


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